„Ich kann tun, was ich will: Ich kann, wenn ich will, alles, was ich habe, den Armen geben und dadurch selbst einer werden, – wenn ich will! – Aber ich vermag nicht, es zu wollen; weil die entgegenstehenden Motive viel zu viel Gewalt über mich haben, als dass ich es könnte. Hingegen wenn ich einen anderen Charakter hätte, und zwar in dem Maße, dass ich ein Heiliger wäre, dann würde ich es wollen können; dann aber würde ich auch nicht umhinkönnen, es zu wollen, würde es also tun müssen.„
Dieser Befund, in der Fachphilosophie immer wieder zitiert, findet sich in Arthur Schopenhauers Preisschrift über die Freiheit des Willens. Schopenhauer spricht damit ein Problem an, das über den Bereich der akademischen Philosophie hinaus von existentieller Bedeutung ist – oder (je nach Chrarakter?) sein kann; aber da liegt ja schon eine weitere Frage: Sind wir frei zu entscheiden, was wir als ernsthaftes philosophisches oder existentielles Problem gelten lassen wollen? Und dann müssen wir uns noch entscheiden, ob wir dieser Frage nachgehen wollen? Können wir das frei entscheiden?
Hier scheint ein Problem vorzuliegen, das Philosophen, philosophische Praktiker und Psychotherapeuten gleicherweise interessieren kann – wenn sie es denn wollen- oder jeweils wollen wollen können, was ja bis jetzt noch nicht klar ist….
Sie können, wenn Sie das Problem verfolgen wollen, zunächst Schopenhauers schon genannte Preisschrift über die Freiheit des Willens studieren, um sich über die Begründungslage zu informieren. Sie können dieses Studium vorerst aber auch zurückstellen und sich wahlweise einer spannenden philosophischen Analyse oder einem spannenden philosophisch-psychotherapeutischen Roman widmen.
Die philosophische Analyse finden Sie in:
Peter Bieri: Das Handwerk der Freiheit. Über die Entdeckung des eigenen Willens. München/ Wien 2001; TB Frankfurt/M. 2003, 9. Aufl. 2009. „Man lebt nicht gut mit dem Gefühl, gerade über die wichtigsten Dinge keine Klarheit zu besitzen.“ (S. 26) Deswegen unternimmt Peter Bieri den Versuch, anschaulich, aber methodisch reflektiert und exakt, den Leser zur Klärung seiner Gedanken anzuleiten, um ihn zu befähigen, in der Frage der Willensfreiheit zu einer selbständigen begründeten (insbesondere sprachanalytisch und diagnostisch fundierten) Entscheidung zu gelangen. Dabei entwickelt Peter Bieri Gedanken, denen ein hohes Maß an philosophisch-therapeutischer Wirksamkeit eignet.
Den Roman finden Sie in:
Irvin D. Yalom: Die Schopenhauer-Kur. München 2005. Dieser Roman hat sehr viel mit unserem Thema zu tun insofern, als er u. a. von einem Mann handelt, der sich von seiner zwanghaften Sex-Sucht durch die Philosophie Schopenhauers selbständig therapiert hat, was seinen ehemaligen, bei ihm erfolglosen Psychotherapeuten verständlicherweise stark irritiert und diesen seinerseits in das Grenzgebiet zwischen philosophischer und psychotherapeutischer Praxis führt.